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Wirtschaft auf Sardinien

Die Wirtschaft Sardiniens ist wie sein ökologisches System vom Raubbau und der Ausbeutung der vergangenen Jahrhunderte geprägt. Fehlplanungen kamen ebenso hinzu wie der uralte Zwist zwischen Bauern und Hirten. Die von den Sarden mit großer Hoffnung erwarteten Segnungen des Industriezeitalters brachten ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg. Die meisten Versuche, Industrie anzusiedeln, schlugen fehl. Sei es durch falsche Einschätzung der tatsächlichen Gegebenheiten, die fatale Fehlinvestitionen zur Folge hatte, oder durch die in privaten Taschen versickerten staatlichen Fördergelder. Schreibt einer der wenigen rentablen Industriebetriebe schließlich schwarze Zahlen, kommt der Erlös zumeist nicht der Region zugute, sondern wandert zu den auf dem italienischen Festland beheimateten Konzernen zurück. Diese Missstände nehmen derart große Ausmaße an, dass man bereits von ökologischer Ausbeutung Sardiniens durch das Mutterland Italien spricht.

 

Obwohl Sardinien überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, arbeiten nur 25 % der Bevölkerung in diesem Bereich. Die Devise der sardischen Landwirtschaft lautet daher: „Wir produzieren zwar wenig, doch dies von hoher Qualität.“ Der Hauptgrund für die geringe landwirtschaftliche „Ausbeute“ ist der Wassermangel. Statistisch gesehen fällt zwar ausreichend Regen, doch fallen die Niederschläge ausschließlich von Herbst bis Frühjahr. Im Winter schwellen die Flüsse zu reißenden Gewässern an, im Sommer dagegen trocknen sie zu traurigen Rinnsalen aus. Als Folge der extremen Abholzung der Wälder waschen die heftigen herbstlichen Regenfälle das Erdreich aus und schwemmen den kostbaren Mutterboden ins Meer. Durch das unermüdliche Abweiden riesiger Flächen durch die vielen Schafe und Ziegen kann sich die ohnehin geschwächte Vegetation kaum regenerieren. Somit sind gewaltige Gebiete ausschließlich für die Viehwirtschaft nutzbar, wogegen der Ackerbau eine wesentlich gewinnträchtigere Nutzung darstellen würde. Ein gewinnbringender Zweig der sardischen Landwirtschaft ist die Korkproduktion – Sardinien ist Italiens größter Korkhersteller. Die größten Korkeichengebiete liegen in der Gallura und dem Iglesiente.

Wenngleich die Anfang der 1970er Jahre stattgefundene Industrialisierung teilweise fehlgeschlagen ist, so sind die Zeugen des Wohlstandsversuchs leider noch immer sichtbar. Cattedrali nel deserto – „Kathedralen in der Wüste“ werden die hässlichen Industrieruinen genannt, die als Erdölraffinerien und einer Kunstfaserfabrik vom vergeblichen Versuch, das Industriezeitalter einzuführen, weithin künden. Der dennoch durch industrielle Betriebe erwirtschaftete Gewinn ist zumeist der Energiegewinnung und dem Baugewerbe zuzuschreiben.

Text von Claudia Hurth
Nach wie vor ergiebig erweisen sich dagegen die an Erzen reichen Berge von Iglesiente, Sulcis und Nurra. Der Bergbau auf Sardinien ist so alt wie die Insel selbst. Schon die frühen Kulturen der Nuraghiern gruben nach Mineralien und edlen Metallen, dann nahmen sich die Punier, gefolgt von den Römern, dem Abbau von erzhaltigem Vulkangestein und Silber an. Die Eroberer wechselten, der Bergbau ging mehr oder minder reibungslos vonstatten – jedoch nie zugunsten der sardischen Bevölkerung. Erst im 19. Jahrhundert erlebte der Bergbau auf Sardinien eine Art Renaissance, da die industrielle Revolution in großen Teilen Europas eine immense Nachfrage an Rohstoffen nach sich zog. Selbst der französische Schriftsteller und Abenteurer Honoré de Balzac machte sich zu den sardischen Silberminen auf, um dort sein Glück zu machen, was ihm letztendlich „nur“ literarisch gelang. Den Abenteurern folgten italienische und deutsche Industrielle auf dem Fuße, die sich vor allem wegen der billigen sardischen Arbeitskräfte satte Gewinne versprachen. Kinderarbeit war damals eine leider gängige Methode, billig an die begehrten Rohstoffe zu gelangen. Daneben machten ein 14-Stunden-Tag, keinerlei soziale Absicherung und eine harte Sechs-Tage-Woche den Arbeitsalltag der sardischen (wie in anderen europäischen Ländern auch) Bergarbeiter aus. Mussolini hatte seine eigenen Gründe, den Erzabbau und die Braunkohleförderung auf Sardinien zu forcieren, da er in dem aufrüstenden Deutschland einen dankbaren Großabnehmer sah. Doch der Traum vom Reichtum durch Kohle zerplatzte rasch, da die geförderte Sulcis-Kohle von miserabler Qualität und somit nicht abzusetzen war. Die Kohleindustrie schleppte sich noch etwa 25 Jahre enorm subventioniert dahin, bis eine Schließung nicht mehr zu vermeiden war. Dies hatte eine hohe Arbeitslosigkeit, verwüstete Landschaften und das Fehlen jeglichen Tourismus in diesen Regionen zur Folge. Dagegen sind die ebenfalls in dieser Region vorhandenen Zink- und Bleivorkommen sehr ergiebig, und in der Nähe von Cagliari wurde erst in den 90er Jahren eine profitable Gold- und Kupfermine eröffnet.

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige auf Sardinien ist der Tourismus. Neben großen Hotelanlagen profitieren auch Familien mit einer kleinen Pension, einer Pizzeria oder einem Souvenirlädchen von dieser ergiebig sprudelnden Einnahmequelle. Wer hierzu keine Möglichkeit hat, gibt Surf-, Segel- oder Tauchunterricht. Auch unwirtschaftlich arbeitende Bauernhöfe haben die Touristen für sich entdeckt: Ferien auf dem Bauernhof lautet die Devise, die hauptsächlich bei Familien mit Kindern großen Anklang findet. Ausschlaggebend für die touristische Erschließung Sardiniens war die Initiative des Aga Khan, der 1963 kurzerhand eine ganze Küste aufkaufte und sie in das „Konsortium Costa Smeralda“ einbrachte. Damit wurde eines der schönsten Küstengebiete Sardiniens zum begehrten Ferienhausparadies ausgebaut – selbstverständlich nur für die, die das nötige Kleingeld dazu hatten. Sardinien kam in Mode, und weitere Landstriche wurden erschlossen und zu Ferienanlagen ausgebaut. Doch die Zeit der wilden „Landnahme“, in der praktisch jeder seinen Claim abstecken und nach Lust und Laune Hotelanlagen errichten konnte, ist zum Glück vorüber. Heute wird genau hingesehen, ob eine Baugenehmigung erteilt wird, zudem sorgen behördliche Auflagen für eine sogenannte sanfte oder der Region angemessene Bebauung. Durch geschickte Freizeitangebote wie Trekking, Besichtigung der Tropfsteinhöhlen und Nuraghen sowie geführten Wandertouren durch Naturschutzgebiete wird auch den Touristen das fragile Ökosystem Sardiniens vor Augen geführt und gleichzeitig Möglichkeiten aufgezeigt, wie man diese einmalige Landschaft erhalten und schützen kann.

Sardiniens Wirtschaft kann mit Sicherheit noch nicht „boomend“ oder in vollster Blüte stehend bezeichnet werden, doch ist sie auf dem richtigen Weg und braucht eben ihre Zeit – wie eigentlich alles auf dieser wunderschönen Insel.




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Titel dieser Seite: Wirtschaftszweige Sardiniens
Zusammenfassung dieser Seite: Sardinien galt lange Zeit als die Hirteninsel, heute ist das nur noch zum Teil richtig. Andere Wirtschaftsbereiche gewinnen immer mehr an Wichtigkeit.

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