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Fordongianus – Sardiniens römische Vergangenheit

Den Römern verdanken wir neben farbenprächtigen Monumentalfilmen und viel zu vielen Jahreszahlen im Geschichtsunterricht auch beeindruckende Ruinen und die Badekultur. Römische Bürger nahmen bereits regelmäßige warme und kalte Wannenbäder, unterzogen sich Schwitzbädern und wohltuenden Massagen, während wir noch fellbehangen durch die Wälder streiften und Wasser überwiegend zum Trinken benutzten.

Der am rechten Ufer des Flusses Tirso gelegene römische Stützpunkt Fordongianus war zu antiken Zeiten eine bedeutende Siedlung, die zum Schutz vor aufständischen Barbaren errichtet wurde. Das immer noch munter aus der Thermalquelle sprudelnde, 54 Grad Celsius heiße Wasser war Grund genug, um im 1. Jahrhundert n. Chr. ein für damalige Verhältnisse beeindruckendes Bad zu errichten, das zuerst „Aquae Ypsitanae“ und später unter der Herrschaft Trajans „Terme Traiani“ genannt wurde. Im 2. Jahrhundert wurde die Thermalanlage vergrößert, und man kann heute noch die einzelnen Abteilungen, wie Frigidarium, Tepidarium und Calidarum bewundern. Ein weit verzweigtes Netz von Wasserrohren und Abflussgräben speiste neben dem Bad auch noch diverse Brunnen und Zisternen.

Die malerische Lage am Fluss und die aus rotem Trachyt errichteten Gebäude der ehemaligen Festung und des heutigen Dorfes lassen diesen Ort wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten erscheinen. Später war Fordongianus, das sich nach und nach aus dem ursprünglichen Namen „Forum Traiani“ ableitete, Bischofssitz, und während der byzantinischen Herrschaft residierte hier der militärische Befehlshaber. Neben den römischen Siedlungsfragmenten ist die ebenfalls aus Trachyt erbaute Kirche San Pietro eine viel besuchte Sehenswürdigkeit des Ortes. Gleich nebenan kann man einen spanischen Adelspalast aus dem 16. Jahrhundert bewundern, die „Casa Aragnose“ oder „Casa Madeddu“ in der Landessprache. Das Gebäude wird zwar als Kulturzentrum und Bücherei genutzt, doch darf man es auch besichtigen und sich unter dem von Säulen getragenen Vordach und beim Blick aus den katalanischen Bogenfenstern durchaus wie ein spanischer Grande aus verklungenen Tagen fühlen.

Bei einem Besuch von Fordongianus sollte man Badeanzug und Handtuch nicht vergessen, denn die Thermalquelle lädt auch heute noch zu einem wohltuenden und entspannenden heißen Bad ein. Zwar taucht man nicht im Römerbad in das schwefelhaltige Wasser, doch ist das Wasser des Bagni Termali Comunale sicherlich genauso angenehm und belebend, wie es vor vielen hundert Jahren die Römer schon empfunden haben mögen. Etwas außerhalb der Badeanlage dient das heiße Wasser durchaus noch praktischen Zwecken, da die Frauen des Dorfs hier noch immer ihre Wäsche waschen. Was uns hierbei wie ein Sinnbild für stehen gebliebene Zeit erscheinen mag, ist eigentlich nichts anderes als der ökonomische Umgang mit natürlichen Ressourcen; man nutzt das, was die Natur bietet so gut wie möglich aus. Vielleicht erwachen bei dem einen oder anderen Besucher längst verblasste Erinnerungen an die große Wäsche in lange zurückliegenden Kindertagen, die in der dampfverhangenen Waschküche erledigt wurde und mit Nostalgie und Romantik nicht das Geringste zu tun hatte. Als Tourist mögen wir von dem Anblick der Wäscherinnen begeistert sein, doch wer kann sich selbst noch schrubbend am Waschbrett vorstellen – Thermalquelle hin oder her?

Fordongianus ist ein hervorragendes Beispiel für das Kommen und Gehen der unterschiedlichsten Kulturen, was jedoch auf das tägliche Leben und den damit verbundenen Verrichtungen und Abläufen zuweilen nur wenig Einfluss nimmt.

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Titel dieser Seite: Fordongianus – Sardinien - römisches Fort
Zusammenfassung dieser Seite: Der am rechten Ufer des Flusses Tirso gelegene römische Stützpunkt Fordongianus war zu antiken Zeiten eine bedeutende Siedlung auf Sardinien, die zum Schutz vor aufständischen Barbaren errichtet wurde.

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