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Oristano auf Sardinien – (noch) kein Touristenort

1974 wurde die an der Mündung des Tirso gelegene Stadt zur Hauptstadt der jüngsten und kleinsten der damals insgesamt vier, der seit 2005 auf acht erweiterten sardischen Provinzen ernannt. Nördlich der Lagune Stagno di Santa Giusta entwickelte sich das recht beschauliche Oristano, nach langen Jahren der spanischen Besatzung und dem erfolgreichen Kampf gegen Pest und Malaria, zum bedeutendsten Landwirtschaftszentrum Sardiniens. Zitronen, Orangen, Artischocken, Mandeln und Zuckerrüben gedeihen hier in Hülle und Fülle.

Oristano sei keine Touristenstadt, Besucher zöge es eher zur nahe gelegene Ausgrabungsstätte Tharros, so versichert man Fremden und beschwört die Authentizität dieser Stadt, die sich ihren bäuerlich-dörflichen Ursprung bewahrt hätte und den wenigen Besuchern daher ein typisch sardisches Ambiente böte.

 

Wer böses denkt, könnte dahinter eine clevere Werbestrategie des örtlichen Fremdenverkehrsvereins sehen, denn diverse Angebote zur Freizeitgestaltung wie Fliegen, Fallschirmspringen, Paragliding und Reiten sowie zahlreiche Restaurants und Hotels, deuten schon sehr unmissverständlich darauf hin, dass sich die Stadt, deren Schwerpunkte tatsächlich immer noch auf der Agrarwirtschaft und dem Handel liegen, dem Tourismus sicherlich nicht verschließen will.
Zumal Oristano auch kulturhistorisch durchaus einige Sehenswürdigkeiten zu bieten und mit dem nur wenige Kilometer entfernten Hausstrand von Marina di Torre, mit dem wuchtigen Torre Grande am Ufer, den Besuchern schöne Bade- und Flaniermöglichkeiten sowie exquisite Fischrestaurants bietet.
Was will man mehr?

Schon die Gründungsgeschichte Oristanos ist höchst interessant. Die Bürger, der bereits erwähnten phönizisch-römischen Hafenstadt Tharros, waren die häufigen Piratenüberfälle und Plünderungen ihrer Stadt endgültig leid und zogen im Jahr 1070 in sicherere Gefilde um. Dabei wurde nicht einfach eine neue Stadt errichtet, sondern man trug die meisten Gebäude in Tharros vollständig ab, um sie in Oristano, damals noch Aristanis genannt, wieder aufzubauen.
Aufgrund seiner günstigen Lage und des fruchtbaren Landes entwickelte Oristano bereits im 13. und 14. Jahrhundert, einer Zeit in der Sardinien in vier so genannte Judikate eingeteilt war, große Bedeutsamkeit und wurde zur Hauptstadt des Judikats Arborea. Den Einwohnern dieses Judikats gelang es auch unter den Führern Marianus IV, Ugone und dessen Schwester Eleonora d’Arborea am längsten den Widerstand gegen die spanischen Besatzer in Sardinien aufrecht zu erhalten.
Bemerkenswert ist vor allem, dass Eleonora d’Arborea, als erste Frau das Richteramt von ihrem Vater übernehmen durfte und es derart erfolgreich ausführte, dass sie eine frühe Symbolfigur der Emanzipation wurde und bis heute als Nationalheldin über die Stadtgrenzen Oristanos hinaus verehrt wird. Sie erließ auch das berühmte Zivil- und Strafgesetzbuch „Carta de Loga“, welches bis ins 19. Jahrhundert hinein Gültigkeit besaß.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Piazza Eleonora d’Arborea mit einer lebensgroßen Statue der Richterin aus dem 19. Jahrhundert den Mittelpunkt der Stadt bildet. Umsäumt wird die Piazza von wunderschönen alten Palazzi, dem Justizpalast und dem Palazzo Comunale (Rathaus), der im 17. Jahrhundert Teil eines Klosters war.
Von der Piazza führt die Flaniermeile Oristanos, der Corso Umberto, von den Einwohnern auch Via Diritta genannt, zur Piazza Roma. Hier spielt sich mit Geschäften, Banken, Bars und Cafés das gesellschaftliche Leben ab und hier thront auch der Torre di Mariano IV, auch unter den Namen Torre di San Cristofero oder Porto Manna, bekannt. Neben diesem Wehrturm ist von der einstigen Stadtmauer lediglich noch der Torre di Portixedda erhalten geblieben.

Die architektonische Attraktion der Stadt ist zweifellos der imposante Dom Santa Maria mit seiner breiten Freitreppe. Von der ursprünglichen Kathedrale, mit deren Bau im Jahr 1228 begonnen wurde, ist aufgrund zahlreicher Neu- und Umgestaltungen nur noch wenig erhalten. Noch original sind der untere Teil des achteckigen Glockenturms und die gotische Capella del Rimedio. Die Capella dell’Archivietto stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Innere des Doms in barockem, die Fassade im klassizistischen Stil gestaltet. Im Innern birgt der Dom neben einer Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert den Domschatz, bestehend aus mittelalterlichen Kunstwerken und Gesangsbüchern des 13. – 15. Jahrhunderts.
Begrenzt wird der hübsch angelegte Domplatz noch vom Bischofspalast und dem Priesterseminar.

Dem Dom gegenüber sieht man die Chiesa San Francesco, errichtet 1838 durch den Architekten Gaetano Cima (1805 – 1878) aus Cagliara. Neben dem Altarbild des Pietro Cavaro aus dem 16. Jahrhundert in der Sakristei ist das Glanzstück der Kirche das hoch verehrte Nikodemus-Kruzifix eines unbekannten katalanischen Künstlers aus dem 14. Jahrhundert.

Unweit der Kirche Chiesa San Francesco trifft man auf die Pinacoteca mit sehenswerten Werken sardischer Künstler und auf die barocke Chiesa del Carmine aus dem 18. Jahrhundert. Die Räumlichkeiten des dazugehörigen Karmeliterkloster samt wunderschönem Kreuzgang dienen heute oft als Veranstaltungs- und Ausstellungsort.

Sparen sollte man sich den Besuch des angeblichen Wohnhauses der Eleonora d’Arborea in der Via Parpaglia. Dieses Haus wurde erst in der Frührenaissance, also hunderte Jahre nach dem Tod der Volksheldin erbaut und steht in keinerlei Zusammenhang mit der berühmten Persönlichkeit.

Nicht versäumen dagegen sollte man einen Besuch des Antiquarium Arborense im Palazzo Parpaglia mit seinen Sammlungen vor- und frühzeitlicher Funde aus Oristano, der Halbinsel Sinis und der phönizisch-römischen Stadt Tharros. Neben vielen kleinen Tonfiguren, Tongefäßen, römischen Vasen und Fibel aus byzantinischer Zeit ist vor allem auch das Rekonstruktionsmodell der Stadt Tharros bemerkenswert. In der Sala Retabli präsentiert man hingegen kostbare Tafel- und Ölbilder des 15. und 16. Jahrhunderts wie zum Beispiel das Retablo San Martino, die Darstellung St. Martins, der gerade seinen Mantel teilt.

Wer sich für Kirchenbauarchitektur interessiert, findet in der nur wenige Kilometer entfernten dreischiffigen Kathedrale Santa Giusta aus dem frühen 12. Jahrhundert, mit ihrem schönen Kreuzgewölbe in der romanischen Krypta und den verschiedenen Stilelementen, von pisanisch-romanisch, über lombardisch bis klassisch, ein weiteres lohnenswertes Studienobjekt.

Mehr als eine bloße Erwähnung verdient auch die „Sartiglia di Oristano“ , ein historisches Kostümspektakel und Pferdeturnier, das bereits im 16. Jahrhundert eingeführt wurde und seitdem traditionell an Fasching begangen wird. Da man jedoch um die Anziehung solcher folkloristischer Festivitäten auf Touristen weiß, feiert man seit einiger Zeit nun zweimal jährlich und legte die zweite Sartiglia, zur Freude ausländischer Folklorefans, in den Urlaubsmonat August.

Damit schließt sich der Kreis und wir wären wieder am Ausgangspunkt angelangt:
Oristano ist keine Touristenstadt, vielleicht noch nicht, aber sie wäre es gern und hat die Beachtung durch eine größere Zahl an Besuchern sicherlich auch verdient.




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Titel dieser Seite: Oristano auf Sardinien – (noch) kein Touristenort
Zusammenfassung dieser Seite: 1974 wurde die an der Mündung des Tirso gelegene Stadt zur Hauptstadt der jüngsten und kleinsten der damals insgesamt vier, der seit 2005 auf acht erweiterten sardischen Provinzen ernannt. Nördlich der Lagune Stagno di Santa Giusta entwickelte sich das recht beschauliche Oristano, nach langen Jahren der spanischen Besatzung und dem erfolgreichen Kampf gegen Pest und Malaria, zum bedeutendsten Landwirtschaftszentrum Sardiniens.

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