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Isola Tavolara - Sardinien - Insel

 
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Isola Tavolara – die Insel der Könige und Ziegen vor der Küste Sardiniens

Wer behauptet, es gäbe keine Drachen, der hat die Isola Tavolara noch nie aus der Ferne gesehen. Wie ein urweltliches Ungeheuer mit gezacktem, schuppigem Rücken zeigt sich die Insel, wenn man sich ihr von der Ostküste aus nähert. Ihre fast kahlen, schroffen Kalkwände ragen beinahe senkrecht auf und erreichen eine Höhe von ungefähr 600 m. Die Insel ist nicht sehr groß und wird nur von etwa 15 bis 20 Menschen bewohnt, die alle zu einer einzigen großen Familie gehören. Die Insulaner sind allesamt Selbstversorger; früher lebten sie neben dem Fischfang und ihren Ziegen hauptsächlich vom Kalkbrennen. Diese drei Erwerbszweige sind so gut wie ausgestorben, doch dafür kamen die Touristen auf die Insel und die Bewohner fanden so eine neue – und vielleicht sogar lohnendere – Einnahmequelle.

Im Nordosten der Insel können die Ruinen von ehemaligen Kalkbrandöfen besichtigt werden; eine Lorenbahn führte von den Tag und Nacht lodernden Öfen bis zum nahegelegenen Hafen, der jetzt militärischen Zwecken dient. Der Norden der Isola Tavolara ist für Besucher nicht zugänglich, weil die NATO hier eine U-Bootbasis unterhält. Die militärische Sperrzone wird von einem Zaun von der übrigen Insel abgegrenzt, und auf den dort angebrachten Schildern ist die eher friedliche Bezeichnung „Privatgelände“ zu lesen.

Neben ihrer skurrilen Beschaffenheit und der kargen Lebensbedingungen hat die Isola Tavolara noch eine weitere Besonderheit zu bieten. Bei intensivem Stöbern in italienischen Geschichtsbüchern entdeckt man eine Kuriosität, die wohl kaum ein anderes Land vorweisen kann: die Insel war das kleinste Königreich Europas, was einer spontanen Laune des Königs Carlo Alberto von Sardinien zu verdanken ist. Als besagter König im Jahr 1836 der Isola Tavolara einen Besuch abstattete, wurde er von dem Sohn des Korsen Giuseppe Bertoleoni empfangen, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie die unbewohnte Insel „entdeckte“ und sie kurzerhand für sich und seine Angehörigen in Besitz nahm. Sein Sohn Paolo stellte sich nun als König von Tavolara vor und begrüßte Carlo Alberto als Seinesgleichen. Höflich wünschte er ihm zudem noch einen angenehmen Aufenthalt in seinem, sprich Paolos, Reich. Verblüfft über dieses dreiste und doch mutige Verhalten des Korsen, schenkte ihm der König von Sardinien spontan und großzügig die Insel. Obwohl er nur ein Fischer war, der weder lesen noch schreiben konnte, und das Wort eines Königs einigen Wert besaß, bestand Paolo auf einer schriftlichen Schenkungsurkunde – um Missverständnissen und später Reue vorzubeugen. Auch dies wurde ihm großzügig gewährt. Mit dieser Schenkungsurkunde entstand das Königreich der Isola Tavolara, das zwar das kleinste weit und breit war, was jedoch den Stolz seiner Herrscher und Untertanen nicht im Mindesten beeinträchtigte. Ab diesem Zeitpunkt an nannten sich Paolo und seine Nachkommen Paolo I., Carlo I. etc. Die Gräber der stolzen Könige der Tavolara und ihrer Familien können auf dem kleinen, in der Mitte der Landzunge gelegenen Inselfriedhof besichtigt werden. Hinter einer beinahe quadratischen roten Villa liegt die eigenartige Gruft, die entfernt an eine Schließfachanlage in Bahnhöfen erinnert. Jedes Fach ist mit Name und Titel der verstorbenen Könige und ihrer Angehörigen versehen, so dass man bei einem Friedhofsbesuch bequem die Erbfolge der hiesigen Herrscher nachvollziehen kann. Die heute auf der Isola Tavolara lebende Familie trägt übrigens den Namen Bertoleoni…

Ein Besuch dieser eigenartigen Insel sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Bei einem Spaziergang durch die herb duftende Macchia entlang der Ostküste steht man gelegentlich Auge in Auge mit den für ihr leuchtend gelbes Gebiss berühmten Wildziegen gegenüber – dies dürfte dann schon alles an Kontakt mit Lebewesen gewesen sein. Ein Aufstieg auf den höchsten Gipfel der Insel, die Punta Cannone mit ihren stolzen 564 m Höhe, lässt die Welt endgültig weit unten zurück, und für einen Augenblick fühlt man sich sogar erhaben und mächtig – wie ein König der Tavolara eben.

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Zusammenfassung dieser Seite: Wer behauptet, es gäbe keine Drachen, der hat die Isola Tavolara vor der Küste Sardiniens noch nie aus der Ferne gesehen. Wie ein urweltliches Ungeheuer mit gezacktem, schuppigem Rücken zeigt sich die Insel, wenn man sich ihr von der Ostküste aus nähert. Ihre fast kahlen, schroffen Kalkwände ragen beinahe senkrecht auf und erreichen eine Höhe von ungefähr 600 m.

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