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Logudoro auf Sardinien – der Ort aus Gold

Das Logudoro, dem sich die Tafelberge und Hügel des Meilogu im Süden anschließen, ist die fruchtbarste, schönste und traditionsreichste Region Nordwestsardiniens. Von hier aus wurden im Mittelalter wertvolle Pferde an die Stadtrepubliken Italiens geliefert. Diese jahrhundertealte Tradition wird noch heute von zwei staatlichen Gestüten mit der Zucht von Rennpferden weitergeführt. Saftige Weiden, fruchtbare Felder sowie das Zusammentreffen der wichtigsten Verkehrswege der Insel war wohl die Ursache für die Namensgebung dieser von der Natur mit reichen Gütern ausgestatteten Gegend.

 

Mitten in der Landschaft, einige Kilometer von Sassari entfernt, stehen die weithin sichtbaren Wahrzeichen von Logudoro - drei im pisanisch-toskanischen Stil errichtete Landkirchen. Zu früheren Zeiten standen die Kirchen allein auf weiter Flur; heute rauscht der Verkehr auf den Schnellstraßen an den Bauwerken vorbei, was den beeindruckenden Gotteshäusern jedoch nichts von ihrer Würde nimmt. Die wohl schönste dieses Trios ist die ehemalige Klosterkirche Santissima Trinità di Saccargia, die übrigens als einzige auch ganztägig geöffnet ist. Der schlanke Turm und die schwarz-weiße Farbgebung des Mauerwerks aus abwechselnden Schichten von schwarzem Basaltstein und weißem Kalk fallen bei diesem Gebäude zuerst ins Auge und erinnern ein ganz klein wenig an den Dom zu Siena. Ohne Übertreibung darf diese Kirche als die schönste Sardiniens genannt werden, und selbst im kirchenverwöhnten Mittelitalien braucht sie mit mancher stolzen Stadtkirche die Konkurrenz nicht zu scheuen. Die reich ausgestattete Fassade imponiert mit farbenprächtigen Majolikascheiben und prächtig gearbeiteten Friesen der Portalbogen; die Halle zieren anmutige Säulen, deren Kapitelle mit kunstvollen Fabelwesen verziert sind. Bei genauem Hinschauen entdeckt man an einem Eckpfeiler sogar weidende Kühe, womit sich auch der Name der Kirche erklärt: „saccargia“ leitet sich vom sardischen Begriff für „Kuhweide“ ab. Das Innere der Kirche ist dagegen eher schlicht, wohl auch deshalb, weil von der ursprünglichen Einrichtung im Laufe der Zeit viel verloren gegangen ist. Erstaunlich ist vor allem die fast fühlbare Stille, die sich nach der lärmumtosten Außenbesichtigung als wahre Wohltat erweist. Von der im 12. Jahrhundert von den Kamaldulensern erbauten Klosteranlage existieren leider nur noch ein Arkadengang und Fragmente der Grundmauern.

 

Die anderen beiden Kirchen, die noch stärkerem Verkehrsaufkommen ausgesetzt sind, weil sie in der Nähe einer viel frequentierten Kreuzung liegen, können nur von außen besichtigt werden. San Michele di Salvenero, eine ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammende Klosterkirche, ähnelt mit ihrer Streifengebung zwar ihrer zuvor beschriebenen Schwester, ist jedoch weitaus weniger prächtig ausgestattet. Auch Sant’Antonio di Salvenero, die ein Elektrizitätswerk zum Nachbarn erhalten hat, reicht trotz ihrer weiß-rot gestreiften Mauern nicht an die Saccargia heran. Interessant ist hier ein prähistorischer Menhir, der vor vielen Jahrhunderten durch das Einmeißeln eines Kreuzes zum Christentum „bekehrt“ wurde.

Ozieri ist die alte Hauptstadt des Logudoro, die sich mit einer gewissen Grandezza und städtischem Charme präsentiert. Ihre herrliche Lage zwischen steilen Hängen, und die stilvollen mit Loggien geschmückten bürgerlichen Palazzi, lassen eine weitaus größere Stadt vermuten, als der Verkehrsknotenpunkt und Zentrum des Logudoro tatsächlich ist. Leise vor sich hin bröckelnder Stuck an den mit Säulen verzierten Balkonen und allmählich verblassende, in Pastelltönen gehaltene Fassaden lassen die Bedeutung erahnen, die Ozieri als Provinzhauptstadt im 19. Jahrhundert innehatte. Das am tiefsten Punkt des engen Tales gelegene Zentrum der Stadt, die Piazza Cantareddu, ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen – und das nicht zuletzt wegen der kleinen Bars, Restaurants und der im toskanischen Flair gehaltenen Arkadengänge. Zur Erkundung der weiteren Sehenswürdigkeiten lässt sich schweißtreibendes Treppensteigen jedoch nicht vermeiden. Eine steile mit Stufen versehene Gasse führt hinauf zur Kathedrale dell’Immacolata, die mit ihrem charakteristischen Glockenturm nicht zu verfehlen ist. Der im klassizistischen Stil erbaute Dom hat neben einem beeindruckenden siebenteiligen Altarbild eines aus Ozieri stammenden Malers die Fragmente einer ehemaligen gotisch-katalanischen Kirche als weitere Sehenswürdigkeit zu bieten. Das im Kloster San Francesco untergebrachte Archäologische Museum zeigt die bei Ausgrabungen in der Grotta di Sa Michele entdeckten Funde, deren Ursprung von der Frühzeit bis zum späten Mittelalter zurückgehen. Die oberhalb der Stadt in einer abgrundtiefen Kalkhöhle liegende Grotta di San Michele selbst kann ebenfalls besichtigt werden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier kunstvoll bemalte Keramikgefäße gefunden, die wahrscheinlich aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammen; aus Gründen berechtigten Entdeckerstolzes nannte man die Schöpfer dieser Gefäße nach dem Fundort „Ozieri-Kultur“.

Etwa 30 Kilometer von Ozieri entfernt liegt das Dorf Ardara auf einer Bergkuppe und gewährt dem Besucher einen herrlichen Panoramablick weit über die Logudoro-Ebene. Sehenswert in diesem eher bedeutungslosen Ort ist die über dem Dorf aufragende Kirche Santa Maria del Regno, der berühmte „Schwarze Dom“, in dem früher die sardischen Könige gekrönt wurden. Um 1100 von toskanischen Baumeistern errichtet, besticht die gewaltige Kirche durch ihre mächtigen Säulen, die mit ebensolchen in Blattform gestalteten Kapitellen geschmückt sind. Im Innern des Doms beherrscht ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Altarbild den riesigen Raum und erfüllt die ansonsten eher düstere Kirche mit dem warmen Glanz seiner Vergoldung und prächtigen Farben. Für Geschichtsinteressierte sei erwähnt, dass in diesem Dom der Sohn des Stauferkaisers Friedrich II. die Erbin Adelasia heiratete, die einige sardische Fürstentümer mit in die Ehe brachte, was ihrem frischgebackenen Gemahl Enzio den Titel „König von Sardinien“ einbrachte. So bezeichnete sich Enzio übrigens noch, als er längst aller Titel beraubt in Bolognas Kerkern schmachtete.

Eine weitere wunderschöne Kirche findet man oberhalb von Borutta. Die im 12. Jahrhundert ebenfalls von toskanischen Meistern erbaute Kirche San Pietro di Sorres residiert majestätisch auf einer Bergkuppe mitten in einer ausgedehnten Hügellandschaft. Die einstige Klosteranlage wurde in den 50er Jahren von den Benediktinern renoviert und instandgesetzt; auch der zum Kloster gehörende Wald ist tadellos in Schuss. Die Aussicht von diesem Klosterberg auf das unter ihm liegende Logudoro ist wunderschön; hier wird wieder einmal der Beweis geführt, dass die überwiegend enthaltsam lebenden Mönche durchaus wussten, wo sie ihre Klöster errichteten. Die Kirche selbst ist ein Meisterstück der für die Toskana typischen Zebratechnik – also der schwarz-weißen Mauerwerksgestaltung aus Basalt und Kalk. Übrigens wurde das „gestreifte“ Stockwerk erst 200 Jahre nach Fertigstellung der Kirche nachträglich aufgesetzt. Die ursprüngliche Kirche wurde in weißem Kalkstein errichtet, und das Ergebnis ist ungewöhnlich bis pittoresk.

An der Grenze zwischen Logudoro und Meilogu liegt das Valle dei Nuraghi, eine wasserreiche, fruchtbare Senke, die überwiegend mit Weideland kultiviert ist. Hier findet man auf relativ engem Raum über 30 Nuraghen in den unterschiedlichsten Größen. Es wird vermutet, dass man damit den Göttern für den ertragreichen Boden danken wollte. Allerdings ist nur der Nuraghe Santu Antine zur Besichtigung geöffnet, der jedoch der größte und imposanteste dieser kultischen Steinhaufen ist.

Ebenfalls ein guter Tipp für Prähistorisches und Urzeitliches ist das Archäologische Museum von Ittireddu, einem kleinen unscheinbaren Dorf in der Nähe des erloschenen Vulkans Monte Lisiri. Die wichtigste Einnahmequelle des Ortes ist der rotbraun und schwarz schimmernde Basalt, der in dem Steinbruch zu Füßen des Vulkans gewonnen wird. Neben dem in der Ortsmitte gelegenen Museum ist auch die kleine byzantinische Kirche Sant’Elena aus dem 7. Jahrhundert einen Besuch wert. Die außerhalb von Ittireddu gelegenen Nuraghen und Felsenkammergräber bieten genügend Gelegenheit, das im Museum frisch erworbene Wissen direkt vor Ort anzuwenden.

Die für sardische Verhältnisse liebliche und ausgesprochen fruchtbare Region des Logudoro war schon seit den ersten Tagen der Menschheit ein begehrtes Siedlungsgebiet, wie die zahlreichen steinzeitlichen Funde und Nuraghenfestungen noch immer sehr anschaulich dokumentieren. Der „Ort aus Gold“ ist nicht nur aufgrund seiner landwirtschaftlichen Bedeutung, sondern auch der Vielzahl an vorgeschichtlichen Zeitzeugen wegen eine nach wie vor gut gefüllte Schatzkammer für Sardinien.

Text: Claudia Hurth




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Titel dieser Seite: Logudoro – der Ort aus Gold - Tal Sardinien
Zusammenfassung dieser Seite: Das Logudoro auf Sardinien, dem sich die Tafelberge und Hügel des Meilogu im Süden anschließen, ist die fruchtbarste, schönste und traditionsreichste Region Nordwestsardiniens. Von hier aus wurden im Mittelalter wertvolle Pferde an die Stadtrepubliken Italiens geliefert.

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